Pflegegeld: Fast 500.000 Bezieher Österreichweit

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Erstmals seit Einführung des Pflegegeldes liegt nun eine vollständige Übersicht der Bezieher/innen vor.  Bislang waren die Bezieher nach Bundes- und Landespflegegeldbeziehern aufgesplittet. Österreichweit bezogen im Jänner 2012 demnach 431.914 Personen Pflegegeld. Die meisten Bezieher/innen gibt es in den niedrigen Pflegestufen.

Bisher konnte die Gesamtzahl der Pflegegeldbezieher in Österreich lediglich geschätzt werden, da die Zuständigkeit für das Pflegegeld zwischen Bund und Ländern aufgeteilt war. Mit der Überführung des Landespflegegeldes in Bundeskompetenz zu Beginn des Jahres liegt nun erstmals seit Einführung des Pflegegeldes eine einheitliche Statistik vor: Im Jänner 2012 bezogen insgesamt 431.914 Personen österreichweit Pflegegeld. Die Zahl liegt damit knapp über dem Jänner-Wert des Vorjahres, wo der geschätzte Wert der Bundes- und Landespflegegeldbezieher zusammen rund 425.000 betrug. Zum Jahreswechsel wurde sowohl die Kompetenz in der Gesetzgebung als auch die Vollziehung von den Ländern auf den Bund übertragen. Statt 280 Landes- und 23 Bundesstellen gibt es jetzt nur noch acht zuständige Institutionen, dies sind in den meisten Fällen die Pensionsversicherungsanstalten. Für den Mehraufwand erhält der Bund eine Kostenerstattung von 372 Millionen Euro von den Ländern.

Die Einstufung in die einzelnen Pflegestufen orientiert sich nach dem Pflegebedarf in Stunden (siehe Tabelle). Von den 431.914 Pflegegeldbezieher entfallen die meisten, nämlich 84.5 Prozent, auf die ersten vier Stufen und benötigen somit weniger als 160 Stunden Pflege im Monat. 9.5 Prozent der Pflegegeldbezieher in Österreich benötigen eine dauernde Bereitschaft der Pflegeperson und befinden sich somit in Stufe 5. Sind bei Tag und Nacht nicht planbare Betreuungsmaßnahmen oder die dauernde Anwesenheit einer Pflegeperson nötig, fällt die Person in Stufe 6. Insgesamt sind das in Österreich vier Prozent der Pflegegeldbezieher. Zwei Prozent schließlich befinden sich in Stufe 7, das bedeutet, dass zielgerichtete Bewegungen der Arme und Beine nicht mehr möglich sind oder der ständige Einsatz von Geräten erforderlich ist.


Absolute Zahlen der Pflegegeldbezieher in den unterschiedlichen Pflegestufen im Jänner 2012. (Grafik: Kommunalnet)

 Pflegestufe Monatlicher Betrag Pflegebedarf nach Stunden
 1 154,20 Euro 60 Stunden
 2 284,30 Euro 85 Stunden
 3 442,90 Euro 120 Stunden
 4 664,30 Euro 160 Stunden
 5 902,30 Euro 180 Stunden
 6 1.260,00 Euro 180 Stunden
 7 1.655,80 Euro 180 Stunden


All jene Betroffenen, die Pflegegeld der Stufen eins bis drei beziehen, müssen sich nach wie vor an Ärzte der Pensionsversicherungsanstalt für Erstanträge und Änderungswünsche wenden. Neu ist seit erstem Jänner 2012, dass das Pflegefachpersonal Änderungen bei der Einstufung von Personen ab der vierten Pflegestufe vornehmen dürfen.

Pflegefonds als Unterstützung für die Gemeinden

Am 16. Jänner 2011 kamen Bund, Länder und Gemeinden überein, dass die Länder und Gemeinden bei der Bewältigung der Pflegedienstleistungen durch einen insgesamt mit 685 Millionen dotierten Fonds zusätzlich unterstützt werden sollen. Der Pflegefonds war ein erster wichtiger Schritt, um die rasch anwachsenden Kosten der Pflege etwas abzumildern. Er wird zu zwei Dritteln vom Bund und zu einem Drittel von Ländern und Gemeinden gespeist. Im Jahr 2011 war der Pflegefonds 100 Millionen Euro schwer, heuer ist er mit 150 Millionen ausgestattet. Im nächsten Jahr, 2013, wird der Betrag auf 200 Millionen und 2014 auf 235 Millionen Euro steigen.

Wohin die Gelder fließen

Zum Ausbau des Pflegesektors stehen den Ländern 150 Millionen aus dem im Vorjahr ins Leben gerufenen Pflegefonds Die Verwendung der Gelder ist nun durch die, an das Sozialministerium gemeldeten, Ausbaubläne der Länder bekannt. Die stationären Dienste sprich die Pflegeheime sollen ausgebaut werden, im Schnitt wird es hier eine Mehrleistung von 11.9 Prozent geben. Die Steigerung des Angebotes in der stationären Dienstleistung reicht von geplanten 3.5 Prozent in Niederösterreich bis 36.7 Prozent in Tirol. Bei den mobilen Diensten vergrößert Oberösterreich sein Angebot am stärksten - um 48 Prozent, heißt es aus dem Sozialministerium. Im Durchschnit wollen die Länder die mobilen Pflege- und Betreuungsdienste um 10 Prozent ausbauen. Auch die Kurzzeitpflege sowie die alternativen Wohnformen werden um 24.4 bzw. 66 Prozent erweitert. Ein Plus von 28.2 Prozent wird es auch bei den Leistungsstunden im Case- und Care-Management geben.

Quellenangabe
ORF.at

Linktipp
Help.gv.at/Pflegevorsorge

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